Katja Stern (1924 - 2000)

Katja Stern (1924-2000)Katja Stern (1924-2000)

Meine Mutter Katja Stern (1924-2000) wuchs als „Marie Sidonie Käthe Beyer“ in Dresden auf. Ihr Vater war Schlosser, kaum des Schreibens mächtig, ihre Mutter ein ehemaliges Dienstmädchen mit höheren Ambitionen – ein ungleiches Paar, das sich häufig zankte und an chronischer Geldnot litt. Trotzdem gelang der aufgeweckten Tochter der Abschluss des Lyzeums und der Handelsschule wie auch die frühe Loslösung aus dem muffig-beengten Elternhaus. Die Schrecken des Kriegsendes – Käthe erlebte hautnah die Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 – und die Gräueltaten des Hitlerregimes, die in der Folge aufgedeckt wurden, politisierten das junge Mädchen: Käthe wurde Kommunistin.

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Katja Stern: Der Holzhammer wurde nie beiseite gelegt

Katja Stern 1953 in der "Baubude" des ND nahe der StalinalleeKatja Stern 1953 in der "Baubude" des ND nahe der Stalinallee

Der Artikel (hier in leicht gekürzter Fassung) muss im Frühjahr 1993 entstanden sein, als der 40. Jahrestag des Arbeiteraufstandes vom 17. Juni 1953 bevorstand. Damals kamen mehrere Journalisten auf meine Mutter zu, um sie nach ihren Erinnerungen zu fragen. Es existiert aus demselben Jahr auch ein ZDF-Dokumentarfilm ("Juniaufstand - Der 17. Juni 1953 von Carl-Ludwig Paeschke), in dem sie ausführlich dazu interviewt wird. Der Artikel wurde 1999 in dem Sammelband "Spurensicherung - Zeitzeugen zum 17. Juni 1953" (GNN-Verlag) abgedruckt.

 

Am frühen Nachmittag des 16. Juni 1953, einem Montag, standen plötzlich zwei Bauarbeiter von der Stalinallee vor meinem Schreibtisch. Ich arbeitete damals in einer Außenstelle des "Neuen Deutschland", die sich die Redaktion eigens in unmittelbarer Nähe der riesigen Baustelle zugelegt hatte, um hautnah beim Aufbau der "Prachtstraße" dabeisein zu können. Die Verbindung zu den Bauarbeitern sollte so eng wie möglich sein, und das war sie auch.

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Heinz Stern (1921 - 1995)

Heinz Stern (1921 - 1995)Heinz Stern (1921 - 1995)

Mein Vater Heinz Stern (1921-95) entstammte einer kommunistischen, väterlicherseits zudem noch jüdischen Familie und verlebte in der Zeit des Nationalsozialismus eine entsprechend turbulente, von mehrfachen Fluchten geprägte Kindheit in Berlin, Brünn und Moskau. Nach Kriegsende kehrte er nach Deutschland zurück und studierte Journalistik in Leipzig, wo er aufgrund seiner Vergangenheit und seiner glänzenden Begabung ein Star unter den Studenten war. Doch so verheißungsvoll seine Laufbahn begann, sein beruflicher Weg verlief dann weniger glatt. 

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Heinz Stern: Apropos Gorbi

Maidemonstration 1956 (Heinz, Katja und Tanja Stern)Maidemonstration 1956 (Heinz, Katja und Tanja Stern)Dieser Text, die Abrechnung eines "Insiders" mit der Praxis des Kommunismus, ist ein Auszug aus einem Artikel, der im PDS-Journal "Disput", Ausgabe 2/95 erschien. Es ist eine der letzten journalistischen Arbeiten von Heinz Stern.

Der Mythos von Gorbis Verrat hat die typische Sündenbock-Funktion. Er lenkt ab von unserer eigenen Schuld am Untergang der DDR, verdrängt und negiert sie.

Wir, die kommunistischen Funktionäre, die vor einem halben Jahrhundert angetreten waren, eine neue, bessere Welt zu schaffen, haben viel zu lange und viel zu widerspruchslos im Dienst eines Systems funktioniert, das längst degeneriert war und unsere Ideale verraten hatte. Viel zu wenige (Havemann, Harich, Janka, Bahro) haben, von uns nicht unterstützt, die Reformen angedacht und angemahnt, die aus dem nichtkapitalistischen System, das nach der Niederwerfung des Nationalsozialismus im Osten Deutschlands entstanden war, - vielleicht - ein sozialistisches hätten machen können.

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