Deine Fragen waren auch meine

Prof. Pavel Barsa, Prag (entfernter Verwandter)

Übersetzung:


Es wäre untertrieben, wenn ich sage, dass mir dein Buch gefallen hat. Das ging viel tiefer. Es gibt starke Parallelen zwischen meiner und deiner Position, und die Fragen, die du dir zu deinem Vater und Großvater gestellt hast, waren lange Zeit auch meine Fragen zu meinem Vater und Großvater... Im Gegensatz zu dir hatte ich allerdings nie Gelegenheit, mit meinem Vater über diese Probleme zu sprechen, und so fehlt es mir an Material, das ich bearbeiten könnte.

Ich wurde 1960 geboren, und mein Vater, der seinen Glauben an den Kommunismus von seinem eigenen Vater geerbt hatte (genau wie es auch bei deinem der Fall war), verbrachte sechs Jahre in Dachau und Buchenwald, wurde dann während der „antizionistischen Kampagne“ aus der Partei ausgeschlossen (aber nicht verhaftet), später nach Chrustschows Rede „rehabilitiert“ (genauso wie auch sein eigener Vater). Später begrüßte er – das war das Schlimmste – die Intervention des Warschauer Paktes im August 1968 (die uns seiner Meinung nach vor einer „Konterrevolution“ bewahrte) und starb im Jahre 1971, zu einer Zeit, als ich selbst noch ein gläubiger kleiner Kommunist und begeisterter Pionier war...

Meine Mutter, die viel jünger war als er, hat ihn angebetet und seine Ansichten kritiklos geteilt. Ich habe später in den 80er Jahren über einige dieser Themen mit ihr diskutiert, als ich während meines Philosophiestudiums vom Bolschewismus abgerückt war, zunächst als liberaler Linker, bis ich dann nach dem Universitätsabschluss ganz aus dem System ausstieg (ich habe als Nachtwächter und Putzer gearbeitet, habe Bassgitarre in einer alternativen Rockband gespielt und private philosophische Seminare in meiner Wohnung abgehalten). Meine Mutter starb 1988, und ich konnte sie Gott sei Dank zuvor noch überzeugen, dass Gorbatschow für den Sozialismus keine Bedrohung, sondern eine letzte Hoffnung bildete.

Original:


It will be an understatement to say that I enjoyed your book. It was much deeper. There are strong paralels between my and your positions and questions you ask about your father and grandfather have been for a long time my questions about my father and grandfather ... Unlike you, however, I have never had a possibility to discuss those issues with my father so I lack a material to work on. I was born in 1960 and my father who inherited his communist faith from his father (as it was the case with yours) spent 6 years in Dachau and Buchenwald, then was excluded from the party (but not arrested) during the „anti-zionist campaign“, then was „rehabilitated“ (as his father was) after Khruschtov speech and then – this is the worst – wellcomed the Warsaw Pact intervention in August 1968 (which, according to him, saved us befor „counter-revolution“) and died in 1971, at the time, I was myself a little believing communist and ardent pioneer ... My mother was much younger than him and adored him and his views uncritically. I could and did discuss with her some of those issues in the 80s when, during my philosophy studies, I moved from Bolshevism to the liberal Left and, after the graduation from university, droped out of the system (working as a night-watchman and cleaner, playing the bassguitar in an alternative rock-band and organising private philosophical seminars in my apartment). She died in 1988 and I am proud that before that I was able to convince her that Gorbatchev amounted not to a threat but to a last hope of socialism.