"Opernmorde" - Pressestimmen

Zu den "Opernmorden" gibt es bisher leider nur zwei Rezensionen. Die erste stammt von Carmen Winter und erschien am 08.01.2008 in der Tageszeitung "Neues Deutschland":

Wer Giuseppe Verdis Opern liebt und schon immer mehr über die Helden vom "Maskenball", von "Rigoletto" und vom "Troubadour" wissen wollte, der wird bei Tanja Stern fündig. Sie hat drei Opernballaden geschrieben und auch gleich in Taschenbuchform verlegt. Die Bezeichnung Ballade führt allerdings zunächst auf eine falsche Spur. Denn nicht in Reimform sind die Opern nach- und weitererzählt, sondern in Prosa. In der wunderbaren Sprache des 19. Jahrhunderts, in der zu Verdis Zeiten Prosa geschrieben wurde.

Die Libretti der drei Opern wurden einst aus Dramen entwickelt. Nun kann der Leser die ausführliche Vorgeschichte der Figuren lesen und Tanja Sterns eigene Interpretation der Ereignisse, die teilweise andere Wege geht als in der Oper. Während im "Troubadour" die Romantiker auf ihre Kosten kommen wenn ihnen eine in kriegerische Auseinandersetzungen eingebundene Liebesgeschichte erzählt wird, geht es im "Rigoletto" reichlich blutig zu, und es wird manch Blick in die Abgründe der Charaktere geworfen. Die Geschichte vom "Maskenball" fesselt vor allem, weil die Gewissensnöte der weiblichen Hauptfigur Amelia so nachvollziehbar werden.

An allen drei Texten fasziniert, dass sie trotz der unmodern gewordenen Sprache dem heutigen Leser einiges zu sagen haben. Und sie bereichern das Erlebnis Oper. Ganz gleich, ob man sie vor oder nach dem Besuch liest.

Weniger freundlich ist die zweite Rezension von Katharina Sahmland (klassik.com, 20.02.2013), in der es u. a. heißt:  

Soviel uns daher Sterns Interpretation an Zugänglichkeit schenkt, so sehr verliert das Operndrama an seinem Ursprung. Durch die zunächst unbeteiligte Situation des Zuschauers in der Oper ist es ihm möglich, sich seine eigene Vorstellung von Gut und Böse und den richtigen und falschen Handlungen zu entwerfen. So hat der unbefangene Zuschauer auch die Möglichkeit, Rigoletto für sein Auftreten und seine Taten am Hof zu verurteilen und das Leid, das ihn zum Schluss des Dramas plagt, für gerecht zu halten. In Sterns Nacherzählung der Handlung wird es dem Leser aufgrund der Darstellung wohl schwerer fallen, nicht so viel Mitleid mit dem Missgestalteten aufzubringen. Durch diese neue Erzählung der Oper wird die Sympathie des Lesers gelenkt, weshalb viel von der möglichen Objektivität des Betrachters verloren geht.

 Weiterhin ist die eigentliche Geschichte zum Teil stark abgeändert. Mal sind es nur größere dazu gedichtete Passagen, die ein Prosatext freilich benötigt. So erfahren wir beispielsweise alles über Gildas Kindheit und ihre Erziehung, obwohl nichts davon im eigentlichen Libretto der Oper festgehalten ist. Dies mag wie ein kleiner Eingriff erscheinen, ändert aber doch einiges an der Darstellung der einzelnen Person und der Rechtfertigung ihrer Handlungen. Von diesen kleineren Eingriffen abgesehen kommt es auch zu tatsächlichen Änderungen der Geschichte. So trifft sich, um ein Beispiel zu geben, König Gustaf in Sterns ‚Maskenball‘ wirklich mit Amalia, und dies sogar mehrfach. In Verdis Oper hingegen sind zwar sowohl König Gustaf als auch Amalia verzweifelt, weil sie einander lieben, doch verzichten sie darauf, ihrer Leidenschaft für einander nachzugeben.