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Tanja Stern
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Rezensionen

Wenn kluge Menschen dumme Musik hören - der "Schlager-Sonntag" auf Radioeins

Ein ganzer langer Sonntag mit hundert Schlagern? Und das ausgerechnet auf Radioeins? Es war ein Teil der Reihe "Sommer-Sonntage" - und war zugleich ein sonderbares Experiment.

Die „Sommer-Sonntage“ auf Radioeins, an denen man jeweils hundert ausgewählte Titel eines bestimmten Musikgenres spielt, zählen zu den besten Ideen des Senders und  jedes Jahr zu den Highlights im Programm. Doch lange war ich auf einen „Sommer-Sonntag“ nicht mehr so gespannt gewesen wie auf denjenigen, der sich dem Thema „Schlager“ widmen sollte. Schon dass die Experten von Radioeins, die immer so stolz auf ihre hochkarätige musikalische Bildung pochten, sich mit einem derart profanen und verrufenen Genre befassten, war ungewöhnlich und machte neugierig. Es soll auch vorab in der Redaktion sehr kontroverse Debatten gegeben haben, ob und wie man diese fragwürdige Musikspezies präsentieren wollte.

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Krimi mit zwei Schlüssen: "Das Versprechen" von Friedrich Dürrenmatt

Genialer Krimiautor: Friedrich Dürrenmatt (1921-1990)Viele Prosa-Autoren wären glücklich, wenn es nur eine einzige gelungene Verfilmung ihrer Werke gäbe. Zu Friedrich Dürrenmatts Meisterkrimi „Das Versprechen“ von 1958 gibt es – neben etlichen schlechten – sogar gleich zwei gute Filmversionen. Sie sind so unterschiedlich, wie Filme nur sein können, und sie sind beide nicht als Verfilmungen im klassischen Sinne zu betrachten. 

Der erste ist „Es geschah am helllichten Tag“ in der Regie von Ladislao Vajda. Er entstand 1958, im selben Jahr wie „Das Versprechen“, doch er ist nicht der Film zum Buch, sondern umgekehrt: „Das Versprechen“ ist das Buch zum Film, und mehr als das Buch – der Kommentar zum Film, die Variation zum Film, im Endeffekt fast die Negation des Films. Friedrich Dürrenmatt hatte 1957 gemeinsam mit Ladislao Vajda und Hans Jacoby das Drehbuch für einen Kriminalfilm verfasst; vorgegeben war, es solle um Sexualdelikte an Kindern gehen. Nach zahlreichen Querelen und Verzögerungen kam das Filmprojekt tatsächlich zustande, doch es befriedigte den Autor nicht: zu glatt, zu nett, zu positiv.

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Die Revolution der Biedermänner - "Wilhelm Tell" im heißen Herbst 89

Christoph SchrothIm heißen Herbst 1989 brachte Christoph Schroth in Schwerin Schillers "Wilhelm Tell" auf die Bühne - und plötzlich war es kein öder Klassiker mehr, sondern ein brisantes DDR-Gegenwartsstück. 

Ich bin zwar Schiller-Verehrerin, doch den „Wilhelm Tell“ hatte ich immer für das schlechteste aller Schiller-Dramen gehalten. Nein, nicht wirklich für schlecht, aber – es war so bieder. Wackere Helden, treusorgende Frauen, ein naives Weltbild von Guten und Bösen, und dann noch diese ständigen Kalendersprüche, die von den Figuren abgesondert werden! Statt menschlicher Abgründe gab es nur die Schluchten der idyllischen Schweizer Berge. Keine Grübler, keine Zweifler, keine Verräter. Warum hatte Schiller nicht lieber den „Demetrius“ vorgezogen, ein Stück, in dem ganz anders die Fetzen flogen als in diesem Drama einer behäbigen Spießerrevolution?

So dachte ich bis zum 10. Oktober 1989. An diesem Abend stand in der Ostberliner Volksbühne ein Gastspiel auf dem Programm: Das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin gab Schillers „Wilhelm Tell“ in der Regie von Christoph Schroth.

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Nonnen am Himalaya - ein Wiedersehen mit "Black Narcissus"

Der englische Spielfilm "Black Narcissus" aus dem Jahre 1947 erzählt eine abwegige Geschichte: von einer Gruppe Nonnen, die am Himalaya eine Mission errichten - bis eine von ihnen sich verliebt und darüber dem Wahnsinn verfällt... 

Eines der Highlights auf der Berlinale 2015 war die Technicolor-Retrospektive, die ein Wiedersehen mit vielen schönen alten Farbfilmen verhieß. Ich wählte „Black Narcissus“, einen englischen Film von 1947, den ich Jahrzehnte lang nicht mehr gesehen hatte. Die vielgerühmten Technicolor-Effekte auf der großen Kinoleinwand ließen mich kalt; ich begreife gar nicht, dass man sich einen Film um solcher Effekte willen ansehen kann. Mir hätte es vollauf genügt, das Werk, an das ich aus meiner Jugend eine lebhafte Erinnerung bewahrte, am heimischen Fernsehgerät zu sehen. Leider werden solche edlen alten Perlen von Fernsehprogrammgestaltern kaum mehr entdeckt. Die Klassikpflege des deutschen Fernsehens ist auf ein sehr dürftiges und einfallsloses Repertoire beschränkt.

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Schuld und Unschuld hinter Klostermauern

Agnus Dei - die UnschuldigenDer französische Spielfilm „Agnus Dei – die Unschuldigen“ handelt von geschwängerten Nonnen; doch den Zuschauer erwartet kein pikantes Klosterdrama, sondern eine Geschichte über Kriegsgräuel und Leiden – und über die Kraft des Lebens, die trotz allem triumphiert.

Wenn man den Trailer anliest, wallen kurz all die pikanten Assoziationen auf, die man aus Film und Literatur mit dem Stichwort „schwangere Nonnen“ verbindet: verführte Schwestern, lüsterne Priester, verbotene Sünden hinter Klostermauern. Doch schon der zweite genauere Blick zerstört die erregende Vorstellung. Hier geht es nicht um gebrochene Keuschheitsgelübde. Hier geht es nur um Gewalt und grenzenloses Leid.

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Aktuelles

Vortrag im Seniorenseminar Wildau: Am Freitag, dem 27.11.2026 um 15:00 Uhr bin ich wieder zu einem Vortrag ins Seniorenseminar Wildau geladen (Technische Hochschule Wildau, Audimax Halle 17, Hochschulring 1, 15745 Wildau). Das Thema lautet "Gigantomanische Bauten des Stalinismus". Näheres finden Sie hier.


Neuauflage: Das Erinnerungsbuch "Der Apparat und die Seele" über die Geschichte einer kommunistischen Familie erscheint in einer überarbeiteten und erweiterten Neuauflage. Am 13.09.2026 ist es als Gratis-Deal bei Amazon zu haben. Näheres zum Thema finden Sie hier.


Noch immer in der Arte-Mediathek: "Traumschiffe des Sozialismus". Dabei geht es auch um die Kreuzfahrt meiner Eltern 1983 auf der "Völkerfreundschaft", die ich in dem Bericht "Bonzenreise" thematisiert habe. 

 

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