Oberschöneweide war ein kleines Dorf vor den Toren Berlins – bis Emil Rathenau auf den Gedanken kam, ausgerechnet dort einen der wichtigsten Betriebe des von ihm begründeten Elektrokonzerns AEG zu bauen. Viele weitere Unternehmer folgten seinem Beispiel, so dass sich Schöneweide in den 1920-er Jahren zu einem bedeutenden Zentrum der deutschen Elektroindustrie entwickelte.
Der Zweite Weltkrieg setzte der Blüte ein Ende; doch auch zur DDR-Zeit produzierten in Schöneweide drei hochkarätige elektrotechnische Großbetriebe: das Kabelwerk Oberspree (KWO), das Transformatorenwerk Oberspree (TRO) und das Werk für Fernsehelektronik (WF). Nach der Wende waren sie nicht mehr konkurrenzfähig und wurden weitgehend abgewickelt. Heute ist Schöneweide ein Areal zwischen Niedergang und Neubeginn. Dieser Vortrag schildert die turbulente Geschichte eines traditionsreichen Viertels und zugleich ein Stück Berliner Industriegeschichte.
Tanja Stern, geboren 1952 in Ostberlin, Studium der Theaterwissenschaft, danach Jobs als Redakteurin, Buchhändlerin und Sekretärin, 1985 literarisches Debüt, heute freie Autorin in Wildau bei Berlin mit Schwerpunkt DDR- und Kommunismusgeschichte.